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Signs and Seraphims, 10 ostrich eggs,

acrylic and glass, 2004

 

             

 

    

 

              

Zeichen und Seraphime, 10 Strauß Eier, Acryl und Glass, 2004

 

 

 

          

  2004 - Skopje, Museum für Zeitgenössischer Kunst Skopje, “Not in the sky and not on the earth”


 

Zeichen und Seraphime, 2004
von Kathrin Becker

 

          Jovan Balovs bemalte Strausseneier zeigen Engelskoepfe, die fuer den Betrachter durch die Praesentation auf verspiegelten Postamenten allansichtig sind. In der Wahl des Eis als Bildtraeger und dem Engelskopf als Bildmotiv legen sich verschiedene Schichten von kulturellen Traditionen im allgemeinen und persoenlichen Erfahrungen des Kuenstlers im besonderen uebereinander, worin der Kern der kuenstlerischen Aussage liegt. Da ist zunaechst die individuelle Erinnerung an seine Kindheit, in der Jovan Balov mit seinen Grosseltern Eier bemalte, aber auch der kollektiv im christlichen Glauben verankerte Symbolwert des Ostereis als Inbegriff der Kontinuitaet des Lebens in der Wiederauferstehung Christi. Mit dieser Erfahrung im Hintergrund - sozusagen im Gepaeck - verlagerte Balov seinen Lebensmittelpunkt von Skopje nach Berlin, was der Kuenstler als Prozess einer Entwurzelung beschreibt: Hier ist Skopje, das er nach wie vor immer noch besucht und wo er kaum einen Schritt vor die Tuer setzen kann, ohne Bekannte zu treffen. Dort ist Berlin als Ort, der ihm anonym gegenueber steht. Weder der eine noch der andere Ort sind ihm aber ein Zuhause, denn in Berlin fehlt die gelebte Vergangenheit, in Skopje die Gegenwart. Um sich Berlin zu erschliessen, begab sich Balov allein auf unzaehlige Spaziergaenge, zu seinen “geheimen Orten” in dieser Stadt. Auf seinen Gaengen fand er vielzaehlige Engelsdarstellungen vor, die als etwas von frueher her Vertrautes seine Aufmersamkeit erregten.

 

          Auf der Grundlage seiner kuenstlerischen und kunsthistorischen Auseinandersetzung mit dem Motiv des Engels individualisierten sich diese bald, ihre Gesichter wurden unterscheidbar und individuell ausdrucksvoll: Da ist der Engel von der Fassade des Berliner Doms, hier der von einem Grabdenkmal des Friedhofs an der Bernauer Strasse und hier der vom Tor zum Buergerpark. Es ist, als haette sich Jovan Balovs erster Kontakt mit Berlin ueber die Architektur eingestellt, dann erst zu den Menschen. In seinem Projekt “Zeichen und Seraphime” fliessen diese Prozesse seiner “Sozialisation” in Berlin, wie er es selbst nennt, ein, wobei er auch die profane Ebene der bemalten Eier als dekorativem Element mitbedacht hat, wie auch die im Mazedonischen wie im Deutschen funktionierende Doppeldeutigkeit des Wortes “Eier” auch fuer die maennlichen primaeren Geschlechtsorgane. “Seine Eier zu zeigen” erfordert schliesslich auch den Mut, sich zu seiner Praegung durch die mitgebrachte Kulturtradition zu stellen, wie auch die Bereitschaft, sich auf die Kultur des neuen Raums einzulassen.
                               

Kathrin Becker,      

Curator