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 Deutsch 

 Adler aus Berlin

 

"ADLER AUS BERLIN – JOVAN BALOV“   

 Barbara Barsch                                                                                                     

   

Der Malerei Jovan Balovs liegt stets ein untersuchendes Prinzip zugrunde. Hatte er lange Zeit rein abstrak-konstruktivistisch gearbeitet, so geht er in der neuesten Serie seiner Bilder zu figürlichen Darstellungen übe,; die er aber auf besondere Weise stilisiert und so seiner konstruktivistischen Malweise an gleicht. Wie in seinen vorangegangenen Bildern geht es ihm bei der Serie von Berliner Triptychonen um Erkundungen mit den Mitteln der Malerei.

 

 Als genauer Beobachter seiner Umgebung fiel Jovan Balov auf, das in ganz Berlin an unterschiedlichen Stellen und aus verschiedenen Zeiten Adler als Wappentiere und Zeichen der Macht und Stärke zu finden sind. ihn interessierten dabei mehr die plastische Gestaltung als das politische Symbol. Er fotografiert sie und fertigt später Skizzen an, die er für seine Gemälde verwendet und in denen er den jeweiligen Charakter malerisch zu erfassen sucht. Seine Spurensuche ist auch eine historisch Erkundung und eine Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte. Die Adler des 18. oder 19. Jahrhunderts haben die Schwingen offen, zum Flug ansetzend. Der Blick ist stolz und frei. Die Adler dagegen, die aus den 30er Jahren unseres Jahrhunderts stammen, haben die Schwingen geschlossen, fliegen nicht, die Kraft ist in der Form eingeschlossen. Sie blicken irgendwie grimmig. Wirken die älteren Adler majestätisch, so strahlen diese bedrohliche Macht aus. Jovan Balov geht es darum, diesen unterschiedlichen Ausdruck, der sich in der Haltung und der plastischen Form verbirgt, zu erfassen.

 

 Der Darstellung wird jeweils ein abstraktes geometrisches Element zugeordnet, das in den heiden anderen Teilen des Triptychons wieder aufgenommen und variiert wird. Die jeweilige geometrische Form entspringt dem Gefühl und der interpretation Jovan Balovs, die für ihn von der plastischen Gestaltung des Adlers ausgehen. Die Farben sind bewußt kühl gewählt. Er verwendet reine Acrylfarbe, nur die schwarzen Bildteile sind mit Farbpigmenten gemalt, wodurch die unterschiedlichen Schwarztöne erzeugt werden. Ihm ist es wichtig, daß die Bilder eine kühle distanzierte Atmosphäre ausstrahlen und daß sich die Dynamik über die Inhalte vermittelt. Die Konstruktion der abstrakten Formen soll das Volumen begreifien. Die Vieldeutigkeit, die der abstrakten Form entspringt, wirkt zurück auf die figurative Darstellung der Adle,; die in ihrer historischen Zugehörigkeit erkennbar bleiben. Der Künstler plant auch flur die Zukunft eine Videodukumentation von den Standorten der verwendeten Adler in Berlin anzufertigen.

 

Jovan Balov arbeitet stets prozeßhaft. Seine Untersuchungen sind jeweils einem Thema gewidmet, dem er mit seinen künstlerischen Mitteln nachgeht. Er verbindet dabei malerische Prinzipien mit konzeptuellen Erforschun gen. Durch die Arbeit mit jeweils drei Bildteilen, die aufeinander bezogen doch untereinander variabel zusammenzustellen sind, erreicht er räumliche Flexibilität und schaffi mit der Malerei gleichsam eine Rauminstallation. Sein Ansatz basiert auf rationalen Uberlegun gen, die sich im Laufe des Schaffensprozeß zunehmend Emotionalisieren. So sind seine Bilder von Gegensätzen geprägt, die ihnen eine eigene Dynamik und Kraft verleihen.